Was also tun, wenn soziale Medien die Leser aus deinem Laden treiben? Nachdenken, wie man sie wieder hineinlockt? Natürlich nicht. Das Denken kreist ausschließlich um den Umsatz. Und um diesen wieder anzukurbeln, verkündet man kurzerhand: Jeder kann ein Buch schreiben.
Das Ergebnis: An der Hintertür herrscht Hochbetrieb. Manuskripte strömen herein wie Touristen am Flughafen. Nur die Vordertür – also die Tür zum Laden selbst – überprüfst du gefühlt hundertmal am Tag, ob sie überhaupt noch offen ist.
Man kann natürlich auch ein durchschnittliches Buch nehmen, es zum Bestseller erklären und die Exemplare meterhoch im Laden stapeln. Ein genialer Plan. Und bitte nicht vergessen, mit einem breiten Verkäuferlächeln daneben zu stehen. Schließlich hat man dafür extra einen Kurs besucht: „Wie verkaufe ich jeden Mist“.
Der Einfallsreichtum kennt keine Grenzen. Irgendjemand behauptet: Viele Likes – und dein Buch verkauft sich von selbst. Stimmt sogar. Denn ein TikTok-Bewohner klickt auf alles, was nicht schnell genug fliehen kann. Das Resultat: Der Umsatz an der Quelle steigt. Nur leider nicht deiner.
Doch wie bringt man sein Buch nun zu diesem seltenen Wesen – dem Leser? Man könnte damit anfangen, Exemplare an Familie, Freunde und Bekannte zu verschenken. Vorausgesetzt, sie nehmen es überhaupt an und starren dabei nicht ausschließlich auf ihr Smartphone.
Denn selbst einen Blick auf den Titel zu werfen scheint für viele schon eine Überforderung zu sein. Für ihre Bildschirm-Sucht ist es offenbar Leistung genug, dass sie nebenbei überhaupt noch arbeiten.
Aber keine Sorge – ich kann das hier alles ruhig schreiben. Und derjenige, der mich deswegen verklagt?
Nun ja. Das ist dann wahrscheinlich genau dieser seltene Leser. 🙂
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