Um es gleich vorwegzunehmen: Ich mag Supermärkte. Sehr sogar. Je größer, desto besser. Vielleicht liegt genau darin der Sinn des Wortes. Für mich haben sie jedenfalls etwas Eigenes. Es sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen: Essen. Mehr braucht es im Grunde nicht.
Ich bin oft dort. Nicht, weil ich viel esse. Sondern weil ich es interessant finde, Menschen beim Einkaufen zu beobachten. Da passiert mehr, als man denkt.
Die Entscheidungen, die Menschen treffen, sagen oft etwas darüber aus, wie sie leben. Bio oder Budget ist dabei weniger eine Frage des Geldes als eine Frage der Haltung. Bio steht eher für genug. Budget eher für viel. Und dazwischen gibt es die, die einfach zugreifen. Die den Wagen füllen und später sehen, was daraus wird.
Familien sind ein eigenes Thema. Die führende Person erkennt man schnell. Auch wenn sie nicht immer diejenige ist, die am Ende entscheidet.
Und nein, ich laufe dort nicht mit Notizblock herum oder beobachte auffällig. Ich schaue auch nicht heimlich aus den Augenwinkeln. Dann wäre ich in meinem Supermarkt um die Ecke längst aufgefallen.
So in der Art: „Arbeiten Sie hier für die Konkurrenz?“
Ich verhalte mich ganz normal. Unauffällig. Meistens zumindest.
Kinder im Supermarkt sind eine Geschichte für sich. Die Kleinsten, fest im Einkaufswagen, zeigen ziemlich genau, wie spät es ist. Weinen heißt: zu spät. Große Augen und ausgestreckte Arme: gerade wach und sofort interessiert.
Die etwas Älteren haben ihren Schultag hinter sich. Einkaufen ist für sie eher Pflicht als Vergnügen. Lieber würden sie zu Hause auf dem Sofa sitzen und sich einfach berieseln lassen.
Dann gibt es die mit dem bläulichen Licht im Gesicht. Sie sitzen im Wagen, schauen auf ihr Handy und sind im Grunde gar nicht da. Der Supermarkt läuft nur noch nebenbei.
Danach kommen die, die nach vorne schauen. Oft ohne Eltern unterwegs. Ihre Gespräche drehen sich nicht um den Alltag, sondern um das, was sein könnte. Ideen, Pläne, Möglichkeiten. Bis sie älter werden und das langsam wieder verschwindet.
Und dann die Pubertierenden. Für mich — als Vater von drei Kindern — vielleicht die interessanteste und gleichzeitig liebenswerteste Gruppe überhaupt.
Wenn man ihre Sprache spricht und sie ernst nimmt, ist man plötzlich mittendrin. Und das ist, wenn man ehrlich ist, besser als jeder Supermarkt.
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