Dieser Blog ist der Beginn einer Reihe, in der ich euch mitnehme auf die Entstehung des norwegischen Romans Nordley (Nordlicht), den ich ins Niederländische und Deutsch übersetze. Die niederländische Version wird Mitte dieses Jahres und die deutsche Version Ende dieses Jahres erscheinen.

Aber ich fange am besten ganz am Anfang an.

Es ist der 20. Oktober 2022. Nach der Corona-Zeit öffnen sich die Türen der Frankfurter Buchmesse wieder. Mein Ziel ist klar: den norwegischen Gemeinschaftsstand von NORLA besuchen, eine Organisation, die sich für die Förderung und den Export norwegischer Literatur einsetzt. Ich hatte mich gut vorbereitet – schließlich waren 29 norwegische Verlage vertreten.

Aber zuerst: etwas essen. Eine lange Autofahrt macht hungrig. Es ist voll, überall besetzte Tische. Dann sehe ich einen freien Stuhl an einem Tisch, an dem eine junge Frau sitzt. Ich frage, ob ich mich dazusetzen darf. Sie nickt freundlich, mit einem Lächeln.

Ich nehme einen Bissen von meinem Brötchen und schlage die Norla-Broschüre auf. Norwegisch natürlich.

Dann höre ich sie plötzlich fragen:

„Kommst du aus Norwegen?“

Ich schaue auf – und bleibe stecken. Mit vollem Mund.

Dieser Moment ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben. So ein Moment, der sich festsetzt. Wahrscheinlich auch der Grund, warum ich komplett ins Stocken geraten bin.

Ich sehe sie weiterhin an, ein wenig hilflos, und spüre ihr Lachen. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Wir kommen ins Gespräch.

Als ich später nach Hause fahre, habe ich das Gefühl, dass die ganze Buchmesse hinter mir geblieben ist.

Während eines unserer letzten Online-Gespräche sagt sie:

„Erzähl ruhig.“

Damit gibt sie mir die Erlaubnis, alles zu erzählen. Na ja… alles?

Ihr Name ist Louise Olsen. Dozentin für angewandte Psychologie, verbunden mit zwei Universitäten in Norwegen.

Aber zurück zur Buchmesse im Oktober 2022.

Wir sitzen also an diesem Tisch im Restaurant. Nach einer Weile sagt sie, etwas verlegen lächelnd, und zeigt auf einen großen Umschlag:

„Ich habe ein Buch geschrieben.“
„Bist du Autorin?“ frage ich.

Mit einem Schulterzucken schiebt sie mir den Umschlag zu. Ich denke noch: Hält sie mich für einen literarischen Scout?

In ihrem Vorwort lese ich ihre persönliche Motivation. Als ich aufblicke und mir ein kalter Schauer über den Rücken läuft, erscheint ein Lächeln auf ihrem Gesicht, in dem Stolz aufblitzt.

Ein literarischer Scout hätte allein anhand dieses Vorworts das Manuskript sofort wieder in den Umschlag gesteckt, sie an die Hand genommen und vor allen Verlagen der Welt versteckt. So weit habe ich es natürlich nicht kommen lassen. Wir sind an diesem Tag gemeinsam durch Frankfurt gezogen.

Wieder zu Hause wurde mir klar: Das war die schönste Frankfurter Buchmesse, die ich je erlebt habe.

Fortsetzung folgt.



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